Stadtlohner hoffen auf Stärkung für Hauptschule

Die Landtagsabgeordnete Heike Wermer (CDU) informierte sich in Stadtlohn über die Perspektiven des Schulsystems vor Ort im Gespräch mit (von links) Rüdiger Schipper  (St.-Anna-Realschule), Birgit Kentrup (Losbergschule), Klaus-Dieter Weßing (Fachbereich Schule bei der Stadt Stadtlohn), Bürgermeister Helmut Könning, Erster Beigeordneter Günter Wewers, Heinrich Dreier (Geschwister-Scholl-Gymnasium), Stefan Wichmann (Herta-Lebenstein-Realschule) und Martin Kömmelt, Vorsitzender des Schulausschusses. FOTO: MLZ

STADTLOHN. Die Schullandschaft bleibt in Bewegung. Wohin die Reise gehen wird, konnte Heike Wermer zwar noch nicht sagen. Dafür durfte die CDU-Landtagsabgeordnete aber eine klare Botschaft mitnehmen.

Die Gastgeber machten aus ihrem Herzen keine Mördergrube. Sie sorgen sich darum, dass das dreigliedrige Schulsystem in Stadtlohn zu wenig Unterstützung erfährt. Die Botschaft an die Landtagsabgeordnete Heike Wermer (CDU) war klar: Stadtlohn will sich nicht damit abfinden, dass es wie das berühmte gallische Dorf in der näheren Umgebung schulpolitisch allein steht und allein gelassen wird. Das bedeutet mit Blick auf eine der wenigen Hauptschulen, die überhaupt noch im Kreis existieren: Vorgezogene Anmeldetermine anderer weiterführender Schulen in der Nachbarschaft empfinden die Verantwortlichen ebenso problematisch wie schulpolitische Diskussionen im Umland, die die Schulform Hauptschule ins Abseits zu drängen drohen.
Der Zeitpunkt für den Besuch der Landtagsabgeordneten war gut gewählt: Gerade erst hatte in der Nachbarstadt Vreden die Debatte um eine Umwandlung der dortigen Sekundarschule in eine Gesamtschule ihren Höhepunkt erreicht. Ein Schritt, der nicht ohne Folgen für Stadtlohn geblieben wäre - wenn es denn dazu gekommen wäre. „Wir haben ein gutes System mit einer hohen Durchlässigkeit, in dem die weiterführenden Schulen gut zusammenarbeiten", unterstrich Bürgermeister Helmut Könning. Aber über all dem schwebt die Frage, die Erster Beigeordneter Günter Wewers so auf den Punkt brachte: „Wie wird das Land mit dem Schulsystem umgehen?"

„Lockangebote"
Stadtlohn müsse sich nicht um die eigenen Schülerzahlen sorgen. Aber angesichts von „Lockangeboten" aus der Nachbarschaft, so Wewers, gebe es Eltern von Viertklässlern, die mit einer Hauptschul-Empfehlung für ihre Kinder lieber eine Sekundarschule wählten - auch aus sozialen Gründen.
Dem Elternwillen kommt in dieser Frage die entscheidende Bedeutung zu - da waren sich alle Teilnehmer dieses Gesprächs einig. Auch die Leiter der weiterführenden Schulen in Stadtlohn sahen das so. „Wir müssen die Stadtlohner Schüler möglichst in Stadtlohn halten", sagte Birgit Kentrup, Leiterin der Losberg-Hauptschule. Sie hob die Vorteile kleinerer Schulsysteme bei der Förderung der Schüler hervor - nicht zuletzt mit Blick auf Integration und Inklusion.

Das Wohl der Kinder
„Bei all dem muss doch das Wohl der Kinder im Vordergrund stehen", appellierte Heinrich Dreier, Leiter des Geschwister-Scholl-Gymnasiums und Gastgeber der Runde, für ein differenziertes Fördern: „Statt alle in einen Topf zu werfen, sollten wir Hauptschulen und Realschulen stärken." Stadtlohn sei mit dem dreigliedrigen System im Münsterland nicht allein. So warb Dreier für eine Zusammenarbeit von ähnlichen Standorten wie Dülmen, Senden und Coesfeld.
Klar wurde auch: Die Erwartungen sind groß, dass die schwarz-gelbe Landesregierung in die Tat umsetzt, was sie in ihren Koalitionsvertrag geschrieben hat: die Hauptschulen stärken - und diese neue Ausrichtung auch gegenüber der Bezirksregierung in Münster deutlich zu machen. „Wir stecken mitten in den Überlegungen, was wir jetzt konkret für die Hauptschulen tun werden", berichtete Heike Wermer. Den „großen Masterplan" gebe es noch nicht: Die politische Diskussion in Sachen Schulsystem ist auf Landesebene offensichtlich noch nicht beendet.

Die Schulen in Stadtlohn
Stadtlohn hält, anders als andere, am dreigliedrigen Schulsystem fest.
Neben dem Geschwister-Scholl-Gymnasium gibt es die Herta-Lebenstein- und die St.-Anna-Realschule und die Losberg-Hauptschule.
Die Übergangsquoten in Stadtlohn liegen bei 45 Prozent für die Realschule, 28 Prozent für das Gymnasium und 21 Prozent für die Hauptschule.

aus der Münsterland Zeitung vom 29. November 2017

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