Wissen schafft Spaß

Emma stehen die Haare zu Berge - ein Experiment mit elektrischen Ladungen.
Fotos: MLZ

STADTLOHN „Ich bin jetzt ordentlich geschafft - aber entspannt und zufrieden mit dem Verlauf. Die Kinder und Jugendlichen haben tolle Leistungen gezeigt." Besser, so das Fazit von Dietmar Kemper am Ende des Tages, hätte die WRO (World Robot Olympiad) am Samstag an der Herta-Lebenstein-Realschule nicht laufen können.„Wenn man sieht, dass sie viereinhalb Stunden konzentriert programmieren und konstruieren und sich dann noch im Wettbewerb stellen, das ist eine erhebliche Anstrengung. Und sie alle haben sich im Laufe des Tages noch gesteigert und voneinander gelernt", freute sich Dietmar Kemper, Techniklehrer, Leiter der Roboter AG und Organisator der World Robot Olympiad in Stadtlohn.
Nur bei der Platzierung der Stadtlohner Teams gab es noch Luft nach oben. Da schnitten die Herta-Robotics in der Junior-Klasse mit dem sechsten, die Elementary-Schüler mit dem fünften Platz ab. Zwei Teams aus Den Haag dürfen in der Juniorklasse als Erst- und Zweitplatzierte zum Finale nach Schweinfurt reisen. Ebenfalls eine Fahrkarte zum Endscheidungswettkampf hat bei den Elementary-Teams die Kruckeler Grundschule aus Dortmund gelöst.
Enorme Anspannung herrschte schon früh am Vormittag. In verschiedenen Räumen hatten die Kids die Gelegenheit, ihren Robotern den letzten Feinschliff zu geben. Und da lief noch längst nicht alles rund. „Mist", fluchte so manch ein Schüler, weil zwischen Theorie und Praxis scheinbar noch Welten lagen. „Es ist immer so: Bei Wettbewerben klappt einfach erst mal gar nichts", ärgerte sich ein Teilnehmer aus Bad Meinberg: „Es läuft halt nie, wie es soll."
Ein Blick auf die Uhr - die Zeit wird langsam knapp. Und gleich darauf kommt auch die Durchsage von Lehrer und Organisator Dietmar Kemper: „Noch zehn Minuten. Ihr müsst pünktlich sein. Wer sich nur eine Sekunde verspätet, ist leider raus. Also: Schnell noch die Lichtwerte auslesen und kalibrieren und dann ab in den Wettbewerbsraum."
Dort herrscht zunächst ein unübersichtliches Gewusel. Jeder will sein Gefährt als erster zum Vermessen auf den Tisch stellen. Nach und nach reihen sich die Roboter auf. Mit dem Zollstock geht die Jury rum, nimmt nacheinander alle Gefährte ab.
Nur ein Team aus den Niederlanden bekommt Probleme: „Der Roboter ist fünf Millimeter zu groß. Ihr habt drei Minuten zum Nachbessern", gibt ihnen Dietmar Kemper noch eine Chance. Die Jungs arbeiten auf Hochtouren - geschafft. Sie dürfen mit an den Start.

Und während die einen an den Tischen in der Aula in ihre Programmierwelt abtauchen und ganz dem olympischen Fieber verfallen sind, zieht es die anderen nach draußen, um an den verschiedenen Stationen selbst zu forschen und zu experimentieren. So wie an dem Tisch, den Studenten der Uni Enschede aufgebaut haben: eine silbrig-glänzende Kugel, durch die Strom geschickt wird. „Stell Dich mal auf den Plastikhocker und halte Deine Hände an die Kugel", fordert der junge Mann die zehnjährige Emma auf.
Die tut wie ihr geheißen - und plötzlich stehen ihre langen Haare rund um ihren Kopf in der Waagerechten. „Du siehst aber nett aus", lächelt ihr Vater. Der niederländische Student hält Emma einen Spiegel vor: „Du bist jetzt bis in die Haarspitzen elektrisch geladen." Mit einem kleinen Stab erdet er wenig später die Kugel, Emma darf die Hände wieder wegnehmen. „Ein komisches Gefühl", sagt sie. „War aber mal interessant."
An anderer Stelle sind sechs Jungen dabei, mittels einer Fräse Namensschilder zu fertigen. Zuvor geben sie die Wünsche ihrer Kunden in den Computer ein, stellen Schriftart und -größe ein - und wenige Minuten später ist das Schild fertig. Ein absoluter Renner bei den Besuchern. Die Bestellliste wird schnell lang und länger.
Gut besucht sind auch die Trucks aus Deutschland und den Niederlanden, die verschiedene Experimente mit neuesten Techniken vorstellt. Staunen, gucken, selber ausprobieren ist hier nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich erwünscht. Leon, der an der Schilderfräse gerade eine Pause eingelegt hat, schnappt sich bereitgelegtes Material und lötet ein Kabel mit einer Lampe zusammen. In einer Blackbox testet er sein Werk später aus: „Hat geklappt", freut er sich. Zur Belohnung darf er beides mit nach Hause nehmen. Ihm hat dieser Nachmittag gefallen, sagt er- „Das bräuchte ich zwar nicht jedes Wochenende, aber mal ist es ganz abwechslungsreich. Vor allem macht Schule so richtig Spaß."

aus der Münsterland Zeitung vom 23. Mai 2017

© 2017 Herta-Lebenstein-Realschule - Burgstr. 38-42 - 48703 Stadtlohn