Von der Höhle bis zur Druckerei

STADTLOHN. Höhlenmalerei, Gänsekiel und Esspapier - eine spannende Zeitreise bietet die Buchhandlung Bücherzeit zwei Wochen lang den Viert- und Fünftklässlern aller Stadtlohner Grundschulen, der Realschulen und der Losbergschule. Anlass ist der Welttag des Buches, der am letzten Sonntag der Osterferien begangen wurde.
Mucksmäuschenstill und hochinteressiert lauschten gestern die Fünftklässler der Herta-Lebenstein-Realschule dem Vortrag von Bücherzeit-Mitarbeiterin Ulrike Esperester. Wie haben die Menschen früher ihre Geschichten festgehalten, als es noch kein Papier und keine Kugelschreiber gab?
Ulrike Esperester hatte viele Beispiele zum Anfassen und Ausprobieren mitgebracht: eine Steinplatte mit Jagdszenen, wie sie vor über 15.000 Jahren an einer Höhlenwand mit Asche festgehalten wurde, ein „Notizbuch" aus frischem Ton, in den die Schüler auch selber Wörter ritzen durften, einen Federkiel mit Tintenfässchen...
Druckerei-Geschichte
Und Ulrike Esperester verblüffte die Kinder mit der Geschichte des Raumes, in dem sie gerade sind: „Hier haben früher die Druckmaschinen von Caspar Wüllner gestanden, mit denen auch Bücher gedruckt werden konnten."
Dass Papier nicht nur zum Schreiben gut ist, das wusste Caspar Wüllner schon 1907. Er nutzte das damals aufkommende „Fresspapier" als leckeres Werbemittel, das er blattweise an Kinder verschenkte. Darauf stand zum Beispiel: „Tinte, Feder und Papier - alles kaufst du billig hier."
Mit Werbesprüchen wollten sich Ulrike Esperester und ihre Kollegin Christine Sambale-Weber aber nicht aufhalten. Sie gaben den Kindern Kostproben aus zwei spannenden Büchern: „Das wilde Uff" und „Mount Caravan". Damit trafen sie offenbar den Nerv: Der elfjährige Fabian Hartz wollte gleich wissen: „Was kostet das?"
Lesen öffnet Chancen
Deutschlehrerin Anne Robers zeigte sich wie ihre Schüler begeistert vom Angebot zum Welttag des Buches. „Kinder lesen heute weniger als früher. Und Jungen lesen noch deutlich weniger als Mädchen. So eine Veranstaltung kann ein guter Impuls sein, häufiger mal in ein Buch zu schauen." Warum ist das wichtig? „Wer viel liest, lernt nicht nur neue spannende Welten kennen. Er lernt auch Texte besser zu erschließen. Wer das kann, der hat bessere Chancen in allen Schulfächern", so Anne Robers.
Am Ende ihres Ausfluges in die Geschichte der Geschichten freuten sich die Schüler über zwei Papiergeschenke: die spannende Lektüre „Das geheimnisvolle Spukschloss" - und ein Bogen Esspapier für jeden zur Erinnerung an den Drucker Caspar Wüllner.

Text und Fotos aus der Münsterland Zeitung vom 27. April 2017

© 2017 Herta-Lebenstein-Realschule - Burgstr. 38-42 - 48703 Stadtlohn