Stadtlohner Schüler schnuppern Firmenluft

Auszubildende mit Spaß an der Arbeit - wie diese beiden Auszubildenden zum
KFZ-Mechatroniker - sind auch ein Ziel des in Stadtlohn angestrebten Projekts
„Wirtschaft und Schule als Partner".       Foto: Oliver Berg (dpa)

STADTLOHN. Eigentlich ist Manfred Schloßhan Lehrer an der Herta-Lebenstein-Realschule. Doch weil er auch in der freien Wirtschaft gearbeitet hat, ist er der ideale Netzwerker, um Verbindungen zwischen den Schulen und der Berufswelt zu knüpfen. In der jüngsten Sitzung des Schul- und Bildungsausschusses hat er das Projekt "Wirtschaft und Schule als Partner" vorgestellt. Hier sind Fragen und Antworten zum Thema:
Was ist das Netzwerk "Wirtschaft und Schule"?
Das Netzwerk gibt es in Stadtlohn noch nicht, aber es soll ab sofort geknüpft werden, um den Schülern der weiterführenden Schulen mehr Einblicke in die Wirtschaft vor Ort zu geben.
Wer steht hinter dem Projekt?
Die Initiative geht von der Bezirksregierung Münster aus. Sie finanziert das Internetportal und die halbe Stelle von Manfred Schloßhan, mit der er sich neben dem Unterricht als Koordinator für das Projekt engagieren kann. Die Stadt Stadtlohn will sich ebenfalls am Projekt beteiligen. Wichtigste Partner aber sind die weiterführenden Schulen und Unternehmen. Unterstützt wird das Projekt auch von der Bundesagentur für Arbeit, von der Industrie- und Handelskammer Nord-Westfalen, von der Handwerkskammer Münster, vom DGB und auch vom NRW-Wirtschaftsministerium.
Wie ist die Idee entstanden?
Jeder vierte Lehrling in Deutschland und sogar jeder dritte Student bricht seine Ausbildung vorzeitig ab. Das geht aus dem Berufsbildungsbericht 2015 des Bundesbildungsministeriums hervor. Das, so Günter Wewers, Erster Beigeordneter der Stadt Stadtlohn, führe nicht nur zu Frust bei den Jugendlichen, sondern auch zu Kosten für die Unternehmen und beim Gemeinwesen. Als Gründe für die vielen Abbrüche nennt der Bildungsbericht falsche Vorstellungen der Jugendlichen von den Anforderungen der angestrebten Berufe. Manfred Schloßhan: "Viele Jugendliche wissen gar nicht, was genau hinter den Berufsfeldern steckt. Und sie kennen nicht die Ausbildungsmöglichkeiten, die die Betriebe in ihrer Stadt bieten."
Wie will das Netzwerk den Jugendlichen bei der Berufswahl helfen?
Vor allem durch engere Kontakte der Schulen zu den Betrieben. Eine Internetseite stellt die beteiligten Firmen vor und schafft die Möglichkeit, sich unkompliziert um Praktikumsplätze zu bewerben. Unterrichtsbesuche von Firmenvertretern sollen Theorie und Praxis verzahnen. Manfred Schloßhan: "Berufs- und Studienorientierung ist Aufgabe aller Fächer und Lehrer". Auch die Lehrer selbst sollen Praktika absolvieren, um ihre Beratungskompetenz zu erhöhen.

Gibt es das Projekt nur in Stadtlohn?
"Nein", sagt der Ausschussvorsitzende Martin Kömmelt (UWG): "In Stadtlohn stecken wir noch in den Anfängen, Ahaus ist schon weiter." In der Nachbarstadt gibt es das Projekt schon seit mehr als fünf Jahren, 60 Unternehmen sind beteiligt. "Die Erfahrungen sind im Grunde gut", sagt Manfred Schloßhan. Allerdings habe das Netzwerk Lehrer - Unternehmer nur zum Teil funktioniert. "Wir haben gelernt, dass ein Netzwerk allein über die Internetseite nicht funktioniert. Persönliche Kontakte sind wichtig. Darum gibt es in Ahaus nun Veranstaltungen und auch ein Speeddating, bei dem sich die Beteiligten persönlich kennen lernen können. Und das funktioniert gut."
Was sagen die Stadtlohner Kommunalpolitiker zu diesem Projekt?
"Das ist eine gute Sache, nicht nur für die Schüler, sondern auch für die Betriebe", sagte Cäcilia Völker (CDU) im Schul- und Bildungsausschuss. Berthold Dittmann (SPD) zeigte sich davon überzeugt, dass jedes Schulfach Anknüpfungspunkte zum Berufsleben biete. "Schnuppern ohne Druck erhöht die Chancen, den richtigen Beruf zu finden." Kirsten Neander-Harks (SPD) erklärte, dass die Praxisbezüge im Unterricht auch die Schule interessanter machen. "Denn die Schüler können dann ja erkennen, was sie mit dem theoretischen Stoff mal anfangen können." Dr. Rüdiger Wichmann (FDP) zeigte sich von der hohen Ausbildungsabbrecherquote überrascht. Da müsse unbedingt gegengesteuert werden.
Wann geht es los mit dem Netzwerk?
Erste Gespräche zwischen der Verwaltung, Schulen und Firmenvertretern wurden bereits im Herbst geführt. Beim Unternehmerfrühstück im Dezember fand die Idee ein positives Echo. Manfred Schloßhan: "Wir könnten jetzt richtig starten. Nur die Internetseite muss noch erneuert werden."
aus der Münsterland Zeitung vom 14. Februar 2017

INFO

Ansprechpartner ist neben Manfred Schloßhan, erreichbar per E-Mail manfred.schlosshan@brms.nrw.de, der städtische Wirtschaftsförderer im Rathaus, Bernhard Mesken, Tel. (02563) 87230.

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