Olga Lebenstein geb. Pins

Olga Lebenstein war eine geborene Pins und wurde am 24. Februar 1887 in Dülmen geboren. Wann sie Daniel Lebenstein kennenlernte, wissen wir nicht. Sicher ist aber, dass die beiden im Jahre 1912 in Stadtlohn heirateten.
Sie soll eine immer freundliche Frau gewesen sein. Im Laufe der Jahre in Stadtlohn gebar sie vier Kinder: Ernst, Walter, Erika und Herta. Walter erzählte später häufig, dass sie den Kindern gern beibrachte, das Essen selbst zu kochen, das ihnen besonders gut schmeckte. Aber auch alle anderen Arbeiten im Haushalt brachte sie ihnen bei.
Nachdem ihre Söhne Deutschland verlassen hatten und in Palästina lebten, schrieb sie ihnen regelmäßig und berichtete über Neuigkeiten in Stadtlohn und in der Familie.
In der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. Nevember 1938 wurde sie mit ihrem Mann und Herta aus dem Haus geholt und in das Gefängnis im heutigen Rathaus gebracht, während ihr Haus stark beschädigt wurde. Nach dieser Nacht mussten die Lebensteins wie andere jüdische Familien in einem Haus in der Rezepterstraße wohnen. Ihr eigenes Haus wurde abgerissen, um den Markt zu vergrößern.
Wie Olga Lebenstein in den nächsten Jahren lebte, wissen wir nicht; man sah sie gelegentlich auf der Straße, auffallend sei an ihr später der Judenstern gewesen, den sie wie alle anderen tragen musste. Bekannt ist auch, dass sie und ihre Familie von einigen Stadtlohnern heimlich mit Lebensmitteln unterstützt wurde.
Olga Lebenstein war 54 Jahre alt, als der Befehl kam, dass sich die Stadtlohner Juden am 10. Dezember 1941 zum Abtransport bereithalten sollten. Sie erzählte dies weinend ihren Nachbarn. In dieser Zeit schenkte sie einer ehemaligen Nachbarin, zu der sie ein besonders gutes Verhältnis hatte, ein kleines Tablett mit einem Milchkännchen und einer Zuckerdose sowie eine versilberte Plätzchendose - das war das einzige, was von den Lebensteins in Stadtlohn geblieben war. (Diese Erinnerungsstücke wurden im Jahre 2010 an die in Israel lebenden Nachkommen der Familie zurückgegeben.)
Das letzte Lebenszeichen von Olga Lebenstein findet man auf einer Liste, die nach dem Krieg im Ghetto von Riga gefunden wurde. Daraus geht hervor, dass sie dort als Näherin arbeiten musste.

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